Känguru

Kontextwechsel vs. „Switch-Loop-Technik“

Foto von Suzuha Kosuki auf unsplash.com.

Liebe Arbeit,

wie du weißt, liebe ich es, wenn ich auf Paradoxien stoße, echte oder vermeintliche, oder jedenfalls auf Situationen, in denen auf Anhieb eine Wahrheit genauso plausibel erscheint wie ihr Gegenteil. Gerade ist mir sowas untergekommen und ich freue mich innerlich immer noch.

Im Newsletter des Neue Narrative Redakteurs Falk Louis schreibt er von seiner „Switch-Loop-Technik“, mit der gleichzeitig an mehreren Artikeln schreibt, und zwar offenbar sogar satzweise wechselnd zwischen den einzelnen Texten.

Das mache er, um seinen kreativen Prozess anzuregen. Und er höre immer dann auf, an einem Text zu schreiben, wenn im dort gerade nichts Schreibenswertes mehr einfalle, was eben manchmal schon nach einem Satz der Fall sei.

Dazu hat er im Newsletter noch ein lustiges Bildchen drin, das den „Switch“ und den „Loop“ illustriert. Warum ich schmunzeln muss? Naja, diese Art, an Sachen heranzugehen, ist für mich als in agilen Narrativen denkenden Berater so etwas der Erzfeind der Effizienz.

Falk Louis: „Switch-Loop-Technik“

Eines der wichtigsten Argumente für agile Arbeitsweisen ist das Verhindern des sogenannten „Kontextwechsels“, der – so zeigten Untersuchungen – als eines der Grundübel im Verschwenden von Arbeitszeit und Fokus gilt. Die Überzeugung ist, dass Menschen länger besser arbeiten und mehr Ergebnis erzeugen, wenn sie möglichst lange an einer Sache dranbleiben können und nicht dazu gezwungen werden, zwischen z.B. Projekten hin- und herzuwechseln. Hier bei The Agile Couch wird beispielsweise so argumentiert.

Nun hat Falk sein Verfahren ja gar nicht mit Effizienz begründet, sondern mit Kreativität. Und da wird es spannend. Es könnte ja sein, dass zu viel Fokus auch zu Langeweile und/oder Einfallslosigkeit führt. Und dass ein Wechsel des Kontexts oder zu einem zweiten Projekt eine neue Anregung schafft, die dem ersten Projekt wieder zugutekommt.

So vielen Teams haben ich schon erklärt, und sie mit Simulationen und Spielchen üben und dann reflektieren lassen, dass Kontextwechsel böse sind. Und jetzt kommt so ein lustiger Falk daher und erklärt mir den kreativen Nutzen davon, wie ein geistiges Känguru herumzuspringen.

Ich liebe es. Ich freue mich schon auf den inneren Diskurs, wenn ich nach kurzer Zeit eine begonnene Arbeit zur Seite lege. Mein agiles Gewissen, das Dranbleiben anmahnen wird und mir Ineffizienz vorwerfen, werde ich mit „mir fiel da gerade nichts Gutes mehr ein“ vertrösten und auf Kreativitätsschübe verweisen, für die ich jetzt woanders weitermachen muss, weil mir da gerade was einfällt.

Ganz ernsthaft erweitert mir Falks Vorgehensweise die Optimierungsansätze von Arbeit um einen wichtigen Aspekt: Jeder schlaue Ansatz kann bis ins Absurde übertrieben werden. Das ist nichts Neues. Welche Qualität oder welches Kriterium aber liefert mir den Hinweis, wann ich drohe auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen? Für den Wert „Fokus“ habe ich hier eine Idee bekommen: Langeweile oder Ideenlosigkeit können anzeigen, dass ich es mit dem Fokus zu weit getrieben habe, und statt dessen mal wieder eine Anregung von außerhalb des Blickfeldes gebrauchen könnte.

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