Moderieren

Foto von Kevin Gonzales auf unsplash.com

Liebe Arbeit,

ich habe dich ein paar Tage in Ruhe gelassen. Jedenfalls haben wir nicht miteinander gesprochen. Und es ist nichts Neues hier im Blog entstanden.

In Wirklichkeit habe ich natürlich jede Menge getan und auch Gutes oder Wirksames. Auch Dinge, für die sich Menschen bei mir bedankt haben.

Und wie so häufig, ging es mir nach einem richtig gut gelungenen Workshop so, dass ich dachte: Eigentlich war das jetzt ganz leicht. So geht es mir, wenn die ganze Aktivität in der Vorarbeit steckt und ich auf viele Eventualitäten eingestellt bin, von denen die meisten nie eintreten, ich in der Durchführung dafür ganz im Element und bei mir und den anderen sein kann und alles einfach so fließt. Das ist ein wunderbarer „Flow“-Moment oder gar eine Abfolge solcher Momente. Nach diesen Situationen bin ich süchtig und dafür mache diesen Job.

Du kennst den Spruch, dass Spontanität gut geplant sein will. Er drückt die Paradoxie aus, dass die Mühe im jahrelangen Üben und in der spezifischen Vorbereitung steckt. Und zwar so, dass die Durchführung mühelos und wie selbstverständlich wirken kann.

Was davon ist dann die Arbeit? Die Vorbereitung oder die Durchführung oder beides? Wahrscheinlich ist die Frage akademisch. Welche Vorbereitung erforderlich war, lässt sich erst im Nachhinein sagen. Kein Mensch kann mir vorhersagen, was ich genau üben muss, um in zwei Jahren einen guten Workshop hinzulegen. Denn es weiß ja noch keiner, welche Art von Workshop mit welchen Menschen und zu welchen Themen dann dran sein wird. Erst wenn er stattgefunden hat, kann ich rückblickend feststellen, mit welchen Vorbereitungen, Versuchen, Irrtümern und Fehlschlägen ich mich auf den Weg zum heutigen Stand entwickelt habe. Die Vorbereitungen sind unterwegs keine Arbeit für den heutigen Workshop, von dem ich ja noch nichts weiß, sondern Arbeit an mir und für mich. Hinterher wäre ein Zuordnung möglich, noch vorne geschaut nicht.

Wenn das aber so ist, dann sind die drei Tage Workshop die Arbeit, die beauftragt und bezahlt wird, wohlwissend, dass x Tage, Monate und Jahre von anteiligem Daraufhinarbeiten irgendwie mitbezahlt werden müssen, weil sie irgendwie die Fähigkeit aufgebaut haben, jetzt etwas Moderieren zu können. Der kleine sichtbare Teil des Workshops steht stellvertretend für den größeren unsichtbaren Teil, ohne den es aber nicht ginge. Da fällt mir das etwas abgegriffene Bild des Eisbergs ein, von dem ja auch nur der kleinere Teil aus dem Wasser ragt.

Und wenn ich jetzt das Geld bekomme für eine Arbeit, die ich in früheren Jahren geleistet habe, dann könnte die Frage aufkommen, wofür ich dann früher Geld bekommen habe. Für den Glauben an die Zukunft? Als Grundeinkommen für werdende Moderatoren? Je mehr ich über dieses Verhältnis zu dir, liebe Arbeit, und das Geld dafür nachdenke, desto weniger plausibel erscheinen mir lange sicher geglaubte Zusammenhänge. Vielleicht ist das die Ernüchterung der Erkenntnis.

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